Pionierverbindung für Gotland

Ursprünglich war Gotland energieautark; die Insel gewann ihren Strom aus fossilen Brennstoffen. Ein Heizkraftwerk in Slite deckte den Bedarf der gesamten Insel, allerdings zu relativ hohen Kosten. Die Stromtarife auf der Insel waren doppelt so hoch wie auf dem schwedischen Festland. Für Unternehmen war Gotland damit als Standort nicht sehr attraktiv; die Arbeitslosigkeit stieg und viele Einwohner verließen die Insel. 

Das schwedische Parlament beschloss daher 1950, eine Stromübertragungsverbindung vom Festland zur Insel zu finanzieren. Mit dem Bau dieser ersten HVDC-Seekabelverbindung wurde der staatliche Energieversorger Vattenfall beauftragt. 

Die Anbindung war für einen steigenden Strombedarf ausgelegt und sollte dazu beitragen, die Stromtarife auf der Insel zu senken. Die 96 km lange Trasse mitten durch das Meer wurde mit Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungstechnik (HVDC) realisiert, die eine relativ verlustfreie Stromübertragung auch über größere Entfernungen erlaubt. 

Das wegweisende Kabelsystem wurde 1953 zwischen Västervik (auf dem Festland) und Ygne (10 km südlich von Visby auf Gotland) verlegt. Der Betrieb wurde im Folgejahr aufgenommen. Das 96 km lange Kabel ist durch eine Masseimprägnierung geschützt. Die Verbindung hatte eine Bemessungsspannung von 100 kV und eine Übertragungsleistung von 20 MW. 

Im Zuge der Modernisierung der Umspannwerke in den 70-er Jahren wurde die Spannung auf 150 kV und die Übertragungskapazität auf 30 MW erhöht. Im folgenden Jahrzehnt wurden weitere Kabel verlegt und ältere Kabel außer Betrieb genommen. Die Systeme Gotland 2 und 3, die auch unabhängig voneinander betrieben werden können, arbeiten heute als bipolare Verbindung mit einer Gesamtleistung von 260 MW.   

Als erste Verbindung mit kommerziellen Quecksilberlichtbogen-HVDC-Umspannwerken und HVDC-Seekabelsystemen wurde die Gotland-Verbindung 2017 mit dem ersten IEEE-Meilenstein in Schweden ausgezeichnet. Das IEEE, der internationale Berufsverband von Ingenieuren, betrachtet sie als historische Leistung.

Entwurf und Entwicklung des Kabelsystems mit 96 km langem masseimprägnierten Seekabel und einer 7 km langen DC-Freileitung

96 km

100 kV-System mit 20 MW Nennkapazität, späterer Ausbau auf 150 kV und 260 MW

1953 – 1954 und Erweiterungen in den 1980-er Jahren

Vattenfall

Ostsee, Schweden

 

 

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